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Neue Rechte
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Der Begriff Neue Rechte (französisch Nouvelle droite) bezeichnet die Konzeption und ist zum Teil auch Selbstbezeichnung einer uneinheitlichen, rechtsextremen politischen Strömung in verschiedenen Staaten. Die deutschsprachige Variante versteht sich als „Gegenmodell“ zur Neuen Linken, grenzt sich von der dem Nationalsozialismus verhafteten „alten Rechten“ ab, ist vor allem intellektuell ausgerichtet und sucht Querverbindungen ins konservative Spektrum. Charakteristisch fĂŒr die Neue Rechte ist eine Fundamentalkritik an zentralen Verfassungsnormen, in Deutschland auch die Ablehnung tragender Prinzipien des Grundgesetzes; einige Gruppierungen wollen einen völkischen Nationalismus erneuern.

Contents

‱ Vordenker
‱ Ideologie
‱ Netzwerke
‱ Medien
‱ Verlage
‱ Audio
‱ Literatur
‱ Analysen
‱ Film
‱ Weblinks

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Übersicht

Der Ausdruck Neue Rechte kam in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er Jahren als eine Eigenbezeichnung und als Synonym zur „Jungen Rechten“ auf. So bezeichneten sich jĂŒngere Rechtsradikale in der 1964 gegrĂŒndeten NPD, um ihre Partei unter dem Eindruck der westdeutschen Studentenbewegung von nationalsozialistischen Vorbildern zu lösen und von der erfolglosen „alten erstarrten Rechten“ abzugrenzen.cite-ref-1[1]

Nachdem die NPD bei der Bundestagswahl 1969 mit 4,3 % der Zweitstimmen den Einzug in den Bundestag verfehlte, unternahmen Junge Nationaldemokraten erste AnlĂ€ufe zu einer strategischen Neubesinnung und Reorganisation ihres politischen Lagers. 1972 spaltete sich dazu die Aktion Neue Rechte (ANR) von der NPD ab. Ihre GrĂŒndungserklĂ€rung, verfasst von Henning Eichberg, proklamierte einen „antiimperialistischen Befreiungsnationalismus“. In der ErklĂ€rung wurde gefordert, die „BesatzungsmĂ€chte“ aus den beiden deutschen Staaten zu vertreiben, um auf diesem Wege eine „deutsche Wiedergeburt und Neuvereinigung“ zu ermöglichen.cite-ref-speit-s-18-2-0[2]

Ab 1974 zerfiel die in NationalrevolutionĂ€re Aufbauorganisation (NRAO) umbenannte ANR in Splittergruppen: Die Solidaristische Volksbewegung um Lothar Penz legte die Idee der Volksgemeinschaft wieder auf und engagierte sich in der entstehenden Ökologiebewegung. Die AnhĂ€nger Eichbergs grĂŒndeten die Sache des Volkes/NRAO und kĂ€mpften „gegen die Überfremdung durch die SupermĂ€chte“ fĂŒr „nationale IdentitĂ€t“ als Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Mit dieser Rhetorik versuchten sie nicht nur sogenannte Linkssektierer und ökologische Gruppen, sondern auch die entstehende Friedensbewegung nationalistisch zu beeinflussen.cite-ref-speit-s-18-2-1[2]cite-ref-3[3]

Neben die aus der NPD hervorgegangenen NationalrevolutionĂ€re trat um 1980 eine Strömung, die sich ausdrĂŒcklich an die französische Nouvelle Droite anlehnte und die Ideen ihres GrĂŒnders Alain de Benoist aufgriff. Dort wird die nationale Befreiung stĂ€rker in einen gesamteuropĂ€ischen Kulturkampf eingeordnet. So grĂŒndete Pierre Krebs 1980 nach dem Vorbild der französischen Sammlungsbewegung GRECE das Thule-Seminar mit dem Zweck, den „Kampf um Europas Zukunft“ theoretisch vorzubereiten. Auch die 1987 von ehemaligen NationalrevolutionĂ€ren gegrĂŒndete Politische Offensive (PO) positionierte sich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus. Ihr Vertreter Manfred Rouhs forderte die „Neuen Rechten“ 1988 in der Zeitschrift Europa vorn dazu auf, der neuen Rechtspartei Die Republikaner beizutreten. Eine dritte Strömung ist durch personelle Kontakte und ideologische NĂ€he zum Nationalliberalismus gekennzeichnet.

In Deutschland entwickelte sich besonders seit der Wiedervereinigung aus diesen Wurzeln ein Netzwerk neurechter Vereine, Medien und Institutionen, die bestimmte Themenfelder besetzen und sich eindeutigen Zuordnungen im politischen Spektrum zu entziehen versuchen, um eine „Diskurshoheit“ weit ĂŒber das eigene Lager hinaus zu gewinnen.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]

1989 bezeichnete Claus Leggewie als erster Politikwissenschaftler die Partei Die Republikaner als „Neue Rechte“, nachdem diese bei der Abgeordnetenhauswahl in West-Berlin und bei der Europawahl desselben Jahres erste Erfolge gefeiert hatten. Die damals von Franz Schönhuber gefĂŒhrte Partei sollte mit diesem Begriff von der erfolglosen „alten Rechten“, vor allem von der NPD und der DVU, unterschieden werden. Der Politikwissenschaftler Richard Stöss wertet den Aufstieg der Republikaner als Teil einer EuropĂ€isierung diesen „neuen“ Typs des Rechtsextremismus. In diesen Zusammenhang stellen Parteienforscher ebenso die italienische Alleanza Nazionale (AN), die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), den französischen Front National (FN), die Schweizerische Volkspartei (SVP) und den belgischen Vlaams Blok (VB).cite-ref-st-ss-6-0[6]cite-ref-7[7] Eva Schweitzer bezeichnet die Tea-Party-Bewegung in den USA als „Amerikas Neue Rechte“.cite-ref-8[8] Gerd Wiegel und Guido Speckmann sehen einen Erfolg von neurechten Parteien wie FPÖ (Österreich), DĂ€nische Volkspartei (DĂ€nemark), Lega Nord (Italien), SVP (Schweiz), Pro-Bewegung (Deutschland) und Tea-Party-Bewegung (USA) seit 1990 darin, dass sie neoliberale und klassische rechtsextreme Positionen miteinander in ihre Programmatik aufgenommen haben. Damit seien sie anschlussfĂ€hig fĂŒr konservativ-liberale Parteien geworden.cite-ref-9[9]

Der Hamburger Historiker Volker Weiß glaubt, dass durch Thilo Sarrazin und Peter Sloterdijk „traditionell rechte Thesen und Begriffe fest in der Mitte der Gesellschaft verankert“ wurden. Der von ihnen vor allem mit ihren BĂŒchern Deutschland schafft sich ab von 2010 bzw. Regeln fĂŒr den Menschenpark (1999) und Die Verachtung der Massen (2000) angestoßene „Diskurs um Elite, Leistung und Vererbung habe damit Kreise erreicht, die etwa die NPD niemals hĂ€tte ansprechen können. Auf diese Neue Rechte wird sich die Gesellschaft zukĂŒnftig einstellen mĂŒssen“.cite-ref-10[10]

Laut Richard gab es im deutschen Rechtsextremismus zu allen Zeiten, auch in der Weimarer Republik und im Kaiserreich, einen Konflikt zwischen „alter“ und „neuer“ Rechter. Entscheidend sei, dass es dabei um einen inhaltlichen Dissens zwischen Traditionalisten und Modernisierern bezĂŒglich des SelbstverstĂ€ndnisses, der Ziele und Methoden des Rechtsextremismus gehe.cite-ref-st-ss-6-1[6]

Die Verwendungsweise des Begriffs Neue Rechte als analytische Kategorie ist umstritten. Der Politikwissenschaftler Florian Finkbeiner kritisiert die Begriffsverwendung, wenn damit nicht eine strategische Ausrichtung innerhalb der radikalen Rechten zwischen „alt“ und „neu“ differenziert, sondern mit dem Begriff zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus unterschieden werden soll, was lediglich eine „Schematisierung“cite-ref-11[11] fördere, aber nur einen begrenzten analytischen Mehrwert liefere.

Theoretische Grundlagen

Vordenker

Vertreter der deutschen Neuen Rechten beziehen sich hĂ€ufig auf bestimmte Denker der Weimarer Republik. Diese werden seit einer Dissertation Armin Mohlers von 1949 in dem Sammelbegriff „Konservative Revolution“ zusammengefasst, den viele Neue Rechte ihrerseits aufgreifen und aktualisieren. Mohlers Dissertation gilt bis heute fĂŒr AnhĂ€nger der Neuen Rechte als Standardwerk.cite-ref-12[12] Als Vertreter dieser Richtung gelten Denker, die zwischen den Weltkriegen Menschenrechte, Liberalismus, Marxismus und die parlamentarische Demokratie ablehnten, unter anderen Arthur Moeller van den Bruck, Ernst JĂŒnger, Edgar Julius Jung, Ernst von Salomon und Carl Schmitt.cite-ref-eckert-13-0[13] Ihre Gegenpositionen dazu waren uneinheitlich, tendierten aber auf autoritĂ€re Staatsmodelle und einen deutschen „Sonderweg“ gegenĂŒber der westlichen Zivilisation. Ihr VerhĂ€ltnis zum Nationalsozialismus ist umstritten; sie waren meist keine aktiven Nationalsozialisten, grenzten sich von diesen zum Teil ab und wurden nach 1933 vereinzelt verfolgt, wĂ€hrend andere den NS-Staat bejahten und unterstĂŒtzten. Historiker wie Kurt Sontheimer heben die ideologischen und praktischen Übereinstimmungen hervor, die den Aufstieg der NSDAP begĂŒnstigten und mit vorbereiteten.

Neue Rechte beziehen sich ferner auf Vordenker und Theoretiker des italienischen Faschismus wie Julius Evola, Robert Michels und Vilfredo Pareto, sowie auf den spanischen Faschisten JosĂ© Antonio Primo de Rivera und den französischen Syndikalisten Georges Sorel. Die Wochenzeitung Junge Freiheit, die von Historikern und Politikwissenschaftlern als Organ der Neuen Rechten eingeordnet wird, hat diesen und Ă€hnlichen Denkern eine Artikelserie gewidmet und rezensiert regelmĂ€ĂŸig BĂŒcher ĂŒber sie.

Gramscianismus

Die Neue Rechte beruft sich nicht nur auf Vertreter der „Konservativen Revolution“, sondern mit Antonio Gramsci (1891–1937) auch auf einen marxistischen Intellektuellen.cite-ref-14[14] Dessen Vorstellungen zur Erringung kultureller Hegemonie werden – ohne weitere Beachtung seiner marxistischen Vorstellungen und Ideale – instrumentell als Machttechniken herangezogen.cite-ref-15[15] Gramsci hatte analysiert, dass gesellschaftliche Hegemonie auch im bestehenden System derart funktioniert: Wolle man eine solche Hegemonie erreichen, mĂŒsse man danach streben, durch publizistische TĂ€tigkeiten den Elitendiskurs zu infiltrieren, in Vereinen, VerbĂ€nden und Kultureinrichtungen mitzuarbeiten und auf dieser Basis ideologische Inhalte in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen, letztlich Akzeptanz fĂŒr sie zu schaffen und langfristig die öffentliche Meinung zu dominieren. Sei dieses Ziel erreicht, dann sei die Gesellschaft „reif“ fĂŒr einen Umsturz der VerhĂ€ltnisse durch eine zunehmende Zahl der Wahlanteile und Parlamentssitze bis zur Übernahme der Regierungsverantwortung.cite-ref-16[16]

Den Bezug auf Gramsci stellte Alain de Benoist 1977 in einem Grundsatzartikel in der GRECE-Zeitschrift Elements unter dem Titel „Pour un ‚gramscisme de droite‘“ („FĂŒr einen Gramscismus der Rechten“) vor, welcher schließlich auf einer GRECE-Konferenz im November 1981 in Paris als Bestandteil neurechter Strategie aufgenommen wurde.cite-ref-17[17] Benoist nutzte hierbei auch den Begriff der Metapolitik, mit dem er die schrittweise Erlangung von Diskurshoheit beschrieb.cite-ref-18[18] Der Bezug zu Gramsci sollte eine grĂ¶ĂŸere gesellschaftliche Akzeptanz herbeizufĂŒhren, war aber auch ein symbolisches Attribut, so der Historiker Wolfgang Kowalsky, „das es erlaubte, den antifaschistischen Konsens zu brechen, der jeder rechtsextremen Position seit 1945 einen soziopolitischen Ort ‚hors statut‘ zuwies, anders ausgedrĂŒckt: sie stigmatisierte“.cite-ref-19[19]

Auch spÀtere Akteure der Neuen Rechten wie Martin Sellner rufen dazu auf, sich an Gramsci zu orientieren, um politische Ziele durchzusetzen. Laut Sellner ist es erforderlich, die Weltanschauung der Neuen Rechten an UniversitÀten, und hierbei insbesondere in den Geisteswissenschaften, zu etablieren. Wenn die UniversitÀten ausreichend unterwandert seien, lasse sich von ihnen aus auch der gesamte öffentliche Diskurs beherrschen.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]

Ideologie

Inhaltliche Ausrichtungen

Die Neue Rechte wendet sich gegen die Prinzipien der AufklĂ€rung, vor allem gegen Pluralismus und die Idee der Gleichheit aller Menschen, die den allgemeinen Menschenrechten zugrunde liegt. Sie ersetzt den „klassischen“ Rassismus durch das Konzept des Ethnopluralismus, indem sie intern ethnisch homogene, extern gleichberechtigte Nationalstaaten verlangt (nach den Worten des neurechten Vordenkers Pierre Krebs: „Homogene Völker in einer heterogenen Welt – nicht umgekehrt“cite-ref-22[22]). Demokratie werde nicht von gleichberechtigten BĂŒrgern, sondern von ethnischen und religiösen Gemeinschaften konstituiert. Dieser Ethnopluralismus eignet sich nach dem Politikwissenschaftler Wolfgang Gessenharter besonders als „Scharnier“ zwischen Neokonservatismus und Rechtsextremismus.cite-ref-23[23]

In den neurechten Debatten werden beispielsweise die 68er-Bewegung und der Feminismus abgelehnt, Ideen fĂŒr eine multikulturelle Gesellschaft oder egalitĂ€re Bestrebungen verĂ€chtlich gemacht. Eliten sollen sich bilden und die Gesellschaft fĂŒhren. Die neuen intellektuellen Rechten haben mit ihren VorgĂ€ngern von der „Konservativen Revolution“ gemein, dass sie an die Sehnsucht nach einer Welt appellierten, in der mĂ€nnliche Werte und mĂ€nnliche Vorherrschaft unhinterfragt gelten, so die Literaturwissenschaftlerin Gabriele KĂ€mper. Sie wĂŒrden eine Gegenwelt entwerfen, in der die Emanzipation von Frauen verhöhnt, die Demokratie als verweichlicht und verweiblicht denunziert wird und aggressive, vermeintlich mĂ€nnliche Tugenden verherrlicht werden.cite-ref-24[24]

Die Neue Rechte will eine „nationale IdentitĂ€t“ und ein „nationales SelbstwertgefĂŒhl“ stĂ€rken, sieht dieses aktuell als mangelhaft verwirklicht und als teilweise von politischen Gegnern bewusst verhindert an. Um die notwendige „Emanzipation“ der Deutschen zu erreichen, mĂŒsse die deutsche Geschichte einer stĂ€ndigen Revision unterworfen und gegen den „Schuldkult“ (gemeint ist die Erinnerung an den Holocaust als Zentralbestandteil deutscher IdentitĂ€t) Front gemacht werden. Es gehe, so Bauer und Fiedler (2021), den Vertretern der Neuen Rechten nicht in erster Linie darum, „den Nationalsozialismus zu verteidigen oder die NS-Vergangenheit zu glorifizieren“, sondern „um eine Relativierung dieses Zivilisationsbruchs und eine Kontextualisierung, die suggeriert, dass Staaten und Völker in Kriegszeiten eben nun mal Verbrechen begehen“. Die Neue Rechte in Deutschland verbinde damit „eine grundsĂ€tzliche Ablehnung der GrĂŒndungserzĂ€hlung der Bundesrepublik, welche das Versprechen birgt, immer so zu handeln und sich in der Völkergemeinschaft einzubinden, dass sich die Menschheitsverbrechen des Dritten Reichs nicht wiederholen können“.cite-ref-25[25] Laut Roger de Weck ist es die Strategie der Neuen Rechten, „Menschenverachtung salonfĂ€hig zu machen“ und „eine reaktionĂ€re NormalitĂ€t herzustellen“. Die Neue Rechte versammle „elitĂ€re Elitekritiker“; diese wollten jedoch die „Nation [
] groß und grĂ¶ĂŸer machen, nicht die kleinen Leute“.cite-ref-26[26]

Vor diesem Hintergrund wird der Zustand der Gesellschaft kulturpessimistisch zumeist als im Verfall begriffen dargestellt und ein national-utopisches Denken gepflegt: Nur durch den Bezug auf organische Vorstellungen von Nation und Volk, auf die „Wurzeln“ der Gesellschaft, könne in einem grundlegenden Umschwung in eine neue Ära (Neugeburt, Wiedergeburt, Palingenese) eine gesunde Gesellschaft entstehen. Dieser Punkt unterscheidet die Neue Rechte wesentlich vom Konservatismus, der dieses Ziel durch eine Restauration traditioneller Werte erlangen will. Ihr völkischer Nationalismus teilt damit nach Roger Griffin allerdings ein zentrales Moment aller faschistischen Ideologeme. Die Neue Rechte „hat die gleichen Feinde wie der Faschismus der Zwischenkriegszeit, auch wenn ihre LösungsansĂ€tze, die Organisationsformen und ihr Diskurs sich deutlich unterscheiden“.cite-ref-27[27]

Obwohl sich die europĂ€ische Neue Rechte von politischen GewalttĂ€tigkeiten fernhalte, verkörpert sie nach Roger Griffin „eindeutig eine Form des palingenetischen Ultranationalismus und habe[n] die Bezeichnung ‚Faschisten‘ verdient“. Vor dem Bewusstsein, dass sich nach 1945 keine politischen Massenbewegungen mehr bilden lassen, bewege sich nach Griffin die Neue Rechte ĂŒberlegt „in einen Zustand der Apoliteia jenseits der Parteipolitik und erwartet stoisch eine neue historische Konjunktur, in der die aufgeschobene Revolution wieder aufgenommen werden kann“. Der militante Antiamerikanismus von Alain de Benoist etwa rechtfertigt ausdrĂŒcklich AnschlĂ€ge („Vergeltungsmaßnahmen“) auf die USA. Die fĂŒr mehrere terroristische AnschlĂ€ge verantwortliche Ordine Nuovo habe in den Werken Julius Evolas ihre Hauptinspiration, so Griffin.cite-ref-griffin-41-f-28-0[28]

Nach Volker Weiß besteht innerhalb der Neuen Rechten kaum eine grundsĂ€tzliche Feindschaft zum Islam. Der Anlass der Abneigung sei „lediglich die PrĂ€senz des Islam im europĂ€ischen Großraum“. Die „realen VerhĂ€ltnisse in Teheran, Riad, Istanbul oder Kabul“ spielten – anders als im universalistischen Denken – fĂŒr die Vertreter der Neuen Rechten keine Rolle.cite-ref-29[29] 2025 wies Weiß auf fundamentale Änderungen in der Einstellung der Neuen Rechten zur Sowjetunion bzw. Russland hin. Unter dem Einfluss der Neuen Linken habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein rechter „Befreiungsnationalismus gegen die Imperien Sowjetunion und USA“ entwickelt. Das sei so weit gegangen, dass die Rechte in der BRD dem Westen UntĂ€tigkeit und das Nichteingreifen wĂ€hrend der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands 1956 und des Prager FrĂŒhlings 1968 vorgeworfen habe. Das sei, so Weiß, das Gegenteil der Schmitt’schen Raumkonzeption, die die Neue Rechte heute einfordere, nĂ€mlich die Achtung des Interventionsverbots im fremden Großraum. Manche auf der Rechten erhoffen sich laut Weiß von Putin „die Restauration von Tradition und AutoritĂ€t nach dem Vorbild des 19. Jahrhunderts“.cite-ref-30[30]

Bevorzugte Zielgruppen des „Kulturkampfs“ der Neuen Rechten sind nach Ansicht Griffins Gesellschaftssegmente, in denen sich junge Menschen fĂ€nden, die eine gewisse Toleranz fĂŒr neurechte Positionen hĂ€tten: z. B. Burschenschaften und Vertriebene. Weitere Agitationsfelder seien Neuheidentum und Okkultismus.cite-ref-griffin-41-f-28-1[28] Auch die Schwarze Szene wurde in den 1990er Jahren umworben.cite-ref-31[31] AnknĂŒpfungspunkt dafĂŒr war vornehmlich der Neofolk, ein Musikstil, bei dem einige KĂŒnstler mit faschistischer Ästhetik operieren.cite-ref-32[32] Im Fanzine Sigill (spĂ€ter Zinnober) wurden neben musikalischen Rezensionen auch Essays ĂŒber die Werke Mohlers, Ernst JĂŒngers, Evolas und anderer veröffentlicht.cite-ref-33[33]

Einige Gruppierungen der Neuen Rechten beziehen sich auf vorchristliche oder nichtchristliche europĂ€ische Traditionen. Das Neuheidentum gehöre „zu ihren BegrĂŒndungsfiguren, und sie praktizieren die entsprechenden Kulte mit Hingabe“, schreibt Friedrich Paul Heller. Das Thule-Seminar etwa sieht eine „europĂ€ische Wiedergeburt“. Entscheidend sei, so Heller, hierbei nicht die Anzahl der Mitglieder, sondern ihre Stichwortgeberfunktion. Sie hĂ€tten in die Musikszene und in die Esoterik hineingewirkt.cite-ref-34[34]

Der Historiker Walter Laqueur vertritt die Ansicht, dass es der Neuen Rechten letztlich nicht gelungen sei, eine kohÀrente Gegenposition zum Liberalismus westlich-amerikanischer PrÀgung zu entwickeln.cite-ref-35[35]

HauptflĂŒgel

Die genannten Beispiele erfĂŒllen eine Doppelfunktion: Sie sind einerseits Ziel neurechter Agitation, andererseits wird diese aufgrund bereits erfolgter Etablierung der Protagonisten in den entsprechenden Organisationen bzw. Szenen aus ihnen heraus betrieben.

Einige Politikwissenschaftler sowie der Verfassungsschutz unterscheiden zwei Hauptströmungen der Neuen Rechten: „Jungkonservative“ und „NationalrevolutionĂ€re“.cite-ref-36[36]

Jungkonservative zielen demnach eher auf das bĂŒrgerliche Lager, vermeiden Reizbegriffe wie „Revolution“ oder „Sozialismus“ und beziehen sich stĂ€rker als die NationalrevolutionĂ€re auf das Vorbild der Konservativen Revolution. Jungkonservative können nicht als verdeckt arbeitende Rechtsextremisten betrachtet werden. Auch manche Mitglieder demokratischer Parteien und ihrer Jugendorganisationen wie der Jungen Union stehen jungkonservativen Vorstellungen nahe

NationalrevolutionĂ€re beziehen sich eher auf Ernst Niekisch und bedienen sich oft der Rhetorik des sogenannten „linken“ FlĂŒgels der NSDAP (Gregor und Otto Strasser). Entsprechend verfolgen sie eine Querfront-Strategie, d. h., sie versuchen, mit originĂ€r „linken“ Inhalten wie Antiimperialismus oder Antikapitalismus Einfluss in die gesellschaftliche Diskussion, auch im Umfeld der Linken, zu bekommen. NationalrevolutionĂ€re Rhetorik lĂ€sst sich bei der NPD und dort wiederum insbesondere in deren Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten, aber auch bei Organisationen wie dem Deutschen Kolleg von Horst Mahler finden. Wegen der oftmals offen nationalsozialistischen Agitation dieser Richtung wird sie von einigen Wissenschaftlern nicht zur „Neuen“, sondern inhaltlich eher zur „Alten“ Rechten gezĂ€hlt.cite-ref-37[37]

Wissenschaftliche Einordnung

Politik- und Sozialwissenschaftler definieren die deutsche Neue Rechte seit den 1970er Jahren entsprechend ihrer uneinheitlichen Vorbilder und Ziele verschieden.

1975 benannte GĂŒnter Bartsch als wichtige Theoretiker der damaligen nationalrevolutionĂ€ren Gruppen, die sich als Neue Rechte sahen: Henning Eichberg (Pseudonym: „Hartwig Singer“), Lothar Penz, Uwe-Michael Troppenz (jetzt: Mikail Troppenz) unter dem Pseudonym Michael Meinrad, Wolfgang GĂŒnther (Pseudonym: „Gert Waldmann“), Sven Thomas Frank (Pseudonym: „Alexander Epstein“) und Wolfgang Strauß.cite-ref-38[38]

1987 verstand die Politologin Margret Feit darunter vor allem die nationalrevolutionĂ€re Strömung, die die NPD begleitete und ihrer GrĂŒndung folgte.cite-ref-39[39] Martin Dietzsch beschrieb 1988 diejenigen rechtsextremen Gruppen als Neue Rechte, die sich auf völkische Gruppen der Weimarer Zeit, Vertreter der Konservativen Revolution und nationale Sozialisten um Gregor Strasser bezogen.cite-ref-40[40]

Die Politologen Klaus SchönekĂ€s und Suzanne Mantino verorteten die Neue Rechte 1989 beziehungsweise 1992 in einer „Grauzone“ zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus.cite-ref-41[41]cite-ref-42[42] Richard Stöss betont, dass die Neue Rechte den Gegensatz zwischen demokratischem Konservatismus und antidemokratischem Rechtsextremismus relativiere und dafĂŒr die Gemeinsamkeiten zwischen beiden herausstreiche.cite-ref-43[43]

FĂŒr den Historiker Hans-Ulrich Wehler zĂ€hlen das Streben nach einer hegemonialen Rolle des wiedervereinigten Deutschlands in Europa und die „Enttabuisierung“ eines deutschen Nationalismus zum Grundbestand der Neuen Rechten. Da dieses Streben auch bei konservativen Publizisten wie Arnulf Baring, Michael StĂŒrmer und Hans-Peter Schwarz erkennbar sei, ordnet er sie ebenfalls der Neuen Rechten zu.cite-ref-44[44]

Der Sozialwissenschaftler Reinhard Opitz fasste die Neue Rechte wegen ihrer fehlenden Bindung an eine bestimmte politische Partei und BezĂŒgen zu Weimarer Gruppen als neofaschistisch auf.cite-ref-45[45]

Erstmals Ende der achtziger Jahre beschrieb Wolfgang Gessenharter die „intellektuellen neuen Rechten“ als ein „Scharnier zwischen Neokonservatismus und Rechtsextremismus“. Diese Charakterisierung prĂ€gt bis heute die Diskussion in der Wissenschaft wie in den Medien.cite-ref-hmm-46-0[46] Die Neue Rechte grenzt er von Rechtsextremen folgendermaßen ab: „Parteien, Ideologien, Menschen [
] mit dem Begriff ‚rechtsextrem‘ zu belegen, setzt also voraus, bei ihnen ‚Bestrebungen zur Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung‘ nachgewiesen zu haben.“ Wenn dieser Nachweis nicht möglich sei, solle von „Rechtsradikalismus“ gesprochen werden (vgl. Radikalismus). Inhaltlich setze die Verwendung dieses Begriffs voraus, dass der so Gekennzeichnete (mehr oder weniger massive) Fundamentalkritik an den zentralen Verfassungsnormen ĂŒbe.cite-ref-47[47]

Der Politologe Armin Pfahl-Traughber ordnete 1999 hingegen die „neue Rechte“ eindeutig dem Rechtsextremismus zu. Sie reprĂ€sentiere neben Wahlparteien und Aktionisten den „intellektuellen“ Teil dieses Lagers, das ĂŒber Medien, Verlage und Vereine publizistischen und gesellschaftlichen Einfluss suche. Wichtige Themenfelder dieser „Theoriezirkel“ seien Ethnopluralismus, Geschichtsrevisionismus und Esoterik der Rechten. Viele Vertreter der „neuen Rechten“ wĂŒrden sich gegen fundamentale Prinzipien des demokratischen Verfassungsstaates richten und seien daher eindeutig als Gegner der Demokratie zu qualifizieren.cite-ref-48[48] 2019 nannte er als verbindende Ideologie der Neuen Rechten die verlorene Werteordnung der Jungkonservativen in der Weimarer Republik, also Elite, FĂŒhrung, Gott, Nation, Natur, Ordnung, Rasse und Volksgemeinschaft. Die typische Organisationsform sei die eines losen Netzwerks, in dem die durchaus vorhandenen Meinungsunterschiede, etwa bezĂŒglich Sozialstaat oder Parteipolitik aufgehoben seien. Strategisch gehe es metapolitisch um ein die Gewinnung der Diskurshegemonie im Gramscis, die als Voraussetzung fĂŒr die angestrebte Überwindung des demokratischen Verfassungsstaates angesehen werden. Dessen Pluralismus solle durch ein identitĂ€res DemokratieverstĂ€ndnis ersetzt werden, die Orientierung an individuellen Menschenrechten durch ein kollektivistisches VerstĂ€ndnis, wonach die Menschenrechte fĂŒr Völker gelten, statt fĂŒr Individuen. Orientierungspunkt sei ein völkischer Nationalismus, wobei vermieden wird, die eingeforderte Alternative als politisches System nĂ€her zu skizzieren.cite-ref-49[49]

Thomas Pfeiffer klassifiziert die „neue Rechte“ wie Pfahl-Traughber ebenfalls als Bestandteil des Rechtsextremismus, weist ihr aber eine „Doppelfunktion“ als Avantgarde des Rechtsextremismus und BrĂŒcke zum Transport rechtsextremer Themen und Ideen in das Lager des demokratischen Konservatismus sowie die gesellschaftliche Mitte.cite-ref-hmm-46-1[46]

Als „neuen“ Typ des Rechtsextremismus ordnet Richard Stöss die Neue Rechte ein, fĂŒr den das populistische Auftreten, die systemimmanente Praxis sowie die Abgrenzung gegenĂŒber dem historischen Faschismus und seinen „orthodoxen Nachlassverwaltern“ charakteristisch sei. Nach Frank Decker hat sich dafĂŒr auch der Terminus „Rechtspopulismus“ eingebĂŒrgert,cite-ref-st-ss-6-2[6] da sich die normativ orientierte, ideologiekritische Konzeptualisierung einer Neuen Rechten bei der Betrachtung konkreter Parteien analytisch nicht bewĂ€hrt habe.cite-ref-50[50]

Nach Roland Eckert sind Vertreter der Neuen Rechten rechtsradikal, weil sie die universelle Geltung der Menschenrechte in Frage stellen, aber nicht notwendig rechtsextrem im Sinne eines Angriffs auf die Verfassungsordnung. In der Übernahme der politischen Philosophie Carl Schmitts seien jedoch Zweifel begrĂŒndet, ob die MenschenwĂŒrde jenseits ethnischer Grenzen von der Neuen Rechten so gewahrt werde, wie es dem Grundgesetz entsprĂ€che.cite-ref-eckert-13-1[13] Nach Wolfgang Gessenharter wirken die mit dem Grundgesetz unvereinbaren Ideen Schmitts, des „SteigbĂŒgelhalters der Nazis“, heute in der Neuen Rechten, vor allem in der Jungen Freiheit, latent weiter.cite-ref-51[51]

Uwe Backes verwendet den Begriff Neue Rechte fĂŒr Formen des „intellektuellen Rechtsextremismus“, um keine „kollektiven Schuldzuschreibungen an die Adresse von 'Nationalkonservativen', 'Neoliberalen', 'Globalisierungsverfechtern' oder BefĂŒrwortern einer verstĂ€rkten Immigrationskontrolle“ zu vollziehen.cite-ref-52[52]

Der Sozialwissenschaftler Fabian Virchow nennt als gemeinsame Merkmale der Neuen Rechten

‱ den Versuch, antiliberale und antidemokratische Inhalte in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, indem außerhalb von Parteien, im so genannten vorpolitischen Raum, Diskurse entsprechend beeinflusst und Begriffe besetzte werden (Metapolitik)
‱ den Ethnopluralismus, mit dem ethnisch angeblich homogene Kulturen vor einer Vermischung geschĂŒtzt werden sollen; innerhalb dieses Konzepts werde Deutschland eine FĂŒhrungsrolle innerhalb Europas zugewiesen;
‱ die Entsorgung nationalsozialistischer IdeologiebestĂ€nde wie des Rassebegriffs oder nationaler Großmachtfantasien,
‱ die Bezugnahme auf rechtsintellektuelle Strömungen der 1920er Jahre, namentlich auf die so genannte Konservative Revolution.cite-ref-53[53]

Der Sozialwissenschaftler Patrick Keßler definiert die „Neue Rechte“ als „eine intellektuelle Strömung, die mit einer Mischung aus rechtsextremistischer und konservativer Denkweise darauf abzielt, ihre Vorstellungen in der Gesellschaft zu verbreiten“. Nach Keßler lehne die „Neue Rechte“ den „deutschen Verfassungsstaat ab, negiert demokratische Werte und strebt nach SystemĂŒberwindung.“ Dies, so Keßler, verdeutliche, dass die „,Neue Rechte‘ nicht dem Konservatismus zuzuordnen ist, sondern dem rechtsextremistischen Bereich.“cite-ref-54[54]

Der Soziologe Felix Schilk hĂ€lt die Bezeichnung „Rechtsintellektuelle“ dagegen fĂŒr unangemessen und schlĂ€gt vor, die Neue Rechte als eine „ErzĂ€hlgemeinschaft“ zu verstehen. Laut Schilk mögen sich neurechte Akteure „gern mit der Aura der IntellektualitĂ€t schmĂŒcken, tatsĂ€chlich wiederholen sie aber zur GenĂŒge durchgekaute Narrative, was langfristig lediglich zur Kanonisierung eines konservativen Denkstils beitrĂ€gt. Wirkliche intellektuelle Auseinandersetzungen oder theoretische Weiterentwicklungen finden im Umfeld der Neuen Rechten nicht statt.“cite-ref-0-55-0[55] Er ordnet die Neue Rechte in die Geschichte des konservativen Denkens ein und bezeichnet sie als eine „Filiation des Konservatismus“.cite-ref-56[56] Beide PhĂ€nomene seien diskursiv verschrĂ€nkt und trĂ€ten bisweilen als Diskurskoalitionen auf.

Ob auch eine oftmals bewusst unprovokativ gefĂŒhrten Argumentation mit dem Ziel, möglichst Eingang in den gesellschaftsfĂ€higen konservativen politischen Diskurs zu erhalten („politische Mimikry“),cite-ref-57[57] zu den Merkmalen der Neuen Rechten zĂ€hlt, ist in der Forschung umstritten. Mathias Brodkorb warnt davor, ihr zu unterstellen, sie wĂŒrde ihre wahren Ziele verbergen, da dies nicht falsifizierbar sei. Damit verlasse man den Boden der Wissenschaftlichkeit. Brodkorb mahnt, die Beurteilung der Neuen Rechten ausschließlich auf Empirie zu stĂŒtzen – jenseits einer „Philosophie des Verdachts“.cite-ref-58[58]

Helmut Kellershohn sieht die RĂŒckbindung an einen seit 200 Jahren bekannten „völkischen Nationalismus“ und die Absicht seiner Restauration als ein Merkmal der Neuen Rechten an.

Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn, der die Neuen Rechten am Beispiel der AfD als „völkische Rebellen“ bezeichnet, beschreibt die „SchlĂŒsselinstrumente [
] der Antidemokraten“ im Kampf um die „kulturelle Hegemonie“:cite-ref-59[59]

‱ die „Schaffung von (hochemotionaler) Daueröffentlichkeit fĂŒr die eigenen Positionen“,
‱ die „Suggestion einer ungerechtfertigten Ausgrenzung von völkischen und rassistischen Positionen aus der öffentlichen Debatte unter dem Propagandalabel eines angeblichen Kampfes fĂŒr Meinungsfreiheit“ sowie
‱ die „Stilisierung der eigenen Positionen als ein Kampf gegen alle anderen, die dann als ‚Etablierte‘, ‚Systemparteien‘ o. Ă€. tituliert werden.“

Ralf Melzer zufolge stellt die Neue Rechte „wesentliche Verfassungsnormen der menschenrechtsbasierten liberalen Demokratie sowie das VerstĂ€ndnis der Shoa als zentralen Bezugspunkt im demokratischen SelbstverstĂ€ndnis der Nachkriegszeit in Frage und versucht, den diesbezĂŒglichen geschichtspolitischen Konsens aufzulösen“.cite-ref-60[60]

Laut Volker Weiß ist die Zukunft der Neuen Rechten derzeit ungewiss. Ihre metapolitischen Konturen seien verblasst. Die etablierten Strukturen der Szene versuchten mit „knapper Personaldecke [
] das metapolitische und das aktivistische Feld zugleich zu bespielen“. Das „Zusammengehen mit den ‚Corona-Protesten‘“ zeige, „wie die Neue Rechte wieder zurĂŒck zu ihren ‚altrechten‘ Wurzeln tendiert“.cite-ref-61[61]

Das DFG-Projekt Neurechte Literaturpolitik erforscht an der UniversitÀt Stuttgart unter Leitung von Torsten Hoffmanncite-ref-62[62] seit Herbst 2023 literaturpolitische AktivitÀten der deutschsprachigen Neuen Rechten.cite-ref-63[63] Im Januar 2024 fand die erste Tagung statt.cite-ref-64[64]

Als „Leitmotiv“ der Neuen Rechten, so Fabian Weber, kann „die Gestaltung von Ungleichheit“ gelten, „sei sie durch Natur, Tradition, Glauben, angenommene Herkunft oder Leistung begrĂŒndet“. Charakteristisch sei hierbei keine in sich schlĂŒssige Weltanschauung, vielmehr wĂŒrden ihre Propagandisten Begriffe nach ihrem politischen Nutzen bewerten, um Möglichkeiten zur strategischen Umdeutung zu prĂŒfen oder neue Terminologien zu prĂ€gen (Stichwort: Remigration).cite-ref-65[65]

Einordnung durch die Verfassungsschutzbehörden

Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz definiert die deutsche Neue Rechte auf der Basis wissenschaftlicher Analysen als „Intellektualisierung des Rechtsextremismus“, die unter Berufung auf antidemokratische Denker der Weimarer Republik „die Beseitigung oder zumindest die BeeintrĂ€chtigung des demokratischen Verfassungsstaates“ anstrebten, indem sie zunĂ€chst „bestimmenden Einfluss auf den kulturellen Bereich zu erlangen“ versuchten.cite-ref-66[66] In den Verfassungsschutzberichten erfolgt jedoch keine einheitliche Beurteilung einer Neuen Rechten, vielmehr werden die Gefahren fĂŒr die Demokratie durch jede einzelne Organisation, Partei oder Publikation individuell bewertet.

Im Verfassungsschutzbericht 2020 wurde der Neuen Rechten erstmals ein eigenes Kapitel gewidmet.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68] BfV-PrĂ€sident Thomas Haldenwang bezeichnete die Neue Rechte als „geistige Brandstifter“ der rechtsextremen Szene und als ein informelles Netzwerk, in dem „rechtsextremistische bis rechtskonservative KrĂ€fte“ zusammenwirken. Zu den rechtsextremistischen Akteuren der Neuen Rechten zĂ€hlt der Bericht die IdentitĂ€re Bewegung Deutschland (seit 2016 „gesichert rechtsextrem“cite-ref-69[69]), das Compact-Magazin (seit 2021 „gesichert rechtsextrem“cite-ref-ts-12-21-70-0[70], von Juli 2024 bis Juni 2025 verboten), den Verein Ein Prozent (seit 2023 „gesichert rechtsextrem“cite-ref-doppel-71-0[71]) und das Institut fĂŒr Staatspolitik (ebenfalls seit 2023 „gesichert rechtsextrem“cite-ref-doppel-71-1[71], seit Mai 2024 aufgelöst).cite-ref-72[72]

Netzwerke

Rechtsextremismusforscher ordnen der Neuen Rechten Medien, Verlage und Einrichtungen zu, die meist seit den 1970er Jahren gegrĂŒndet wurden, manche auch schon frĂŒher, und heute sowohl rechtsextreme wie konservative Themenfelder fĂŒr entsprechende Adressatenkreise abdecken. Sie sehen darin eine erhebliche personelle und organisatorische Verflechtung von Neurechten und Rechtsextremisten.cite-ref-73[73] Seit den 1990er Jahren zĂ€hlen Personen und Kreise zu einer in der Politikwissenschaft oft sogenannten „Neuen Intellektuellen Rechten“, die sich vor allem um die 1986 gegrĂŒndete Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) scharen. Mitte 2000 wurde aus diesem Umfeld heraus das Institut fĂŒr Staatspolitik u. a. zur Abhaltung von Akademien gegrĂŒndet, das einen eigenen Verlag, Edition Antaios, und die Zeitschrift Sezession auf den Markt bringt. Mittels dieser publizistischen Offensive sowie öffentlichkeitswirksamen Interviews in der JF mit Vertretern aus der CDU, der SPD, der FDP, aus VerbĂ€nden, der Wissenschaft und Kultur, aber auch aus dem rechtsextremen Umfeld, versucht diese rechte Bewegungselite eine intellektuelle MeinungsfĂŒhrerschaft umzusetzen und Einfluss auf Macht- und MandatstrĂ€ger zu gewinnen.cite-ref-74[74]cite-ref-eckert-13-2[13]cite-ref-75[75]

Es gehöre zur Strategie der Neuen Rechten, „sich nie zu den eigenen MarginalitĂ€ten zu bekennen, auch wenn diese belegt werden können, und die eigenen AktivitĂ€ten in der Öffentlichkeit generell nur als erfolgreich zu vermarkten“, schrieb Samuel Salzborn in der Zeitschrift German Politics and Society. In diesem Sinne könnten institutionelle Projekte wie das Institut fĂŒr Staatspolitik und die Bibliothek des Konservatismus sowie Medienprojekte von der Sezession bis zur Blauen Narzisse auch „als selbstreflexive Eitelkeitsprojekte interpretiert werden, deren primĂ€rer Zweck es ist, den narzisstischen Glauben der neurechten Protagonisten (mit meist von intellektuellem Scheitern gezeichnete Biographien) zu unterstĂŒtzen, dass sie doch ĂŒber allmĂ€chtige intellektuelle GrĂ¶ĂŸe verfĂŒgen“.cite-ref-76[76]

Medien

Organe von NationalrevolutionÀren in der Neuen Rechten um Henning Eichberg waren oder sind:cite-ref-77[77]

‱ Junges Forum: gegrĂŒndet 1964
‱ Fragmente
‱ Junge Kritik
‱ Aufbruch: gegrĂŒndet 1980 als Organ des „NationalrevolutionĂ€ren Koordinierungsausschusses“
‱ wir selbst: gegrĂŒndet 1979 als Organ der Koblenzer JN, das 1980 mit der Zeitschrift fĂŒr nationale IdentitĂ€t fusionierte, 2004 eingestellt.

Als rechtsextreme und neurechte Strategie- und Theorieorgane innerhalb einer Strategie zur Erringung der kulturellen MeinungsfĂŒhrerschaft nennt Armin Pfahl-Traughber, 2001:cite-ref-78[78]

‱ Nation und Europa, 1951 als Nation Europa gegrĂŒndet, propagierte die Sammlung aller europĂ€ischen Rechtsextremen nach dem Vorbild der Front National; 2009 eingestellt und durch die Zeitschrift Zuerst! ersetzt.
‱ Europa vorn (gegrĂŒndet 1988), spĂ€ter Signal, heute: nation24.de; Herausgeber: Manfred Rouhs.
‱ Staatsbriefe: wollte die Bundesrepublik ĂŒberwinden und strebte ein an das Reich des Stauferkaisers Friedrich II. angelehntes „Viertes Reich“ an.
‱ Sleipnir: verfolgte mit BeitrĂ€gen auch linksextremer Autoren eine Querfront-Strategie.
‱ Deutschland in Geschichte und Gegenwart und Deutsche Geschichte: geschichtsrevisionistische Reihen des Grabertverlages.
‱ CriticĂłn: gegrĂŒndet 1970, Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing, ursprĂŒnglich fĂŒr den rechten Rand der CDU/CSU, VertriebenenverbĂ€nde und Burschenschaften; fusionierte 1980 mit konservativ heute; inzwischen eingestellt.
‱ Junge Freiheit: gegrĂŒndet 1986 von Dieter Stein und anderen Mitgliedern der Freiheitlichen Volkspartei, einer Abspaltung der Partei Die Republikaner.
‱ Sezession: Magazin und Autoren-Blog
‱ die Wissenschaftliche Reihe des Instituts fĂŒr Staatspolitik

Autoren der Jungen Freiheit schreiben auch regelmĂ€ĂŸig fĂŒr das Magazin

‱ eigentĂŒmlich frei: Herausgeber Andre F. Lichtschlag, der ebenfalls regelmĂ€ĂŸig Artikel fĂŒr die Junge Freiheit schreibt.cite-ref-79[79]

Als Organe der Neuen Rechten in Österreich gelten:

‱ Die Aula: inzwischen eingestelltes Magazin, das als Sprachrohr der national-freiheitlichen Studentenverbindungen Österreichs und Sammelpunkt der extremen Rechten in der FPÖ galt
‱ Der Eckartcite-ref-80[80]
‱ Zur Zeit: anfĂ€nglich Partnerblatt der Jungen Freiheit

Denkfabriken und Veranstaltungsorte

‱ seit 1960 die grĂ¶ĂŸte rechtsextreme Kulturvereinigung die Gesellschaft fĂŒr freie Publizistik
‱ seit dem 9. April 1962 die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft
‱ seit 1979 das Studienzentrum Weikersheim, von Hans Filbinger gegrĂŒndetes Tagungshaus des rechtskonservativen CDU-FlĂŒgels mit Kontakten und personellen Verbindungen zur neurechten und rechtsextremen Szene. Ältere Vertreter wie Klaus Hornung und Albrecht Jebens veröffentlichen u. a. in Nation und Europa
‱ seit 1980 Thule-Seminar
‱ 1986 bis 2002 der Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis, WeiterfĂŒhrung als Zeit-Fragen und andere Projekte
‱ ab 11. April 1992 der Hofgeismarer Kreis
‱ ab 1994 das Deutsche Kolleg, ein Schulungszentrum fĂŒr rechtsextreme Aktivisten
‱ seit 2000 das „Institut fĂŒr Staatspolitik“, dem neben der Jungen Freiheit eine Vordenkerfunktion fĂŒr das neurechte Lager zugeschrieben wird.cite-ref-81[81]
‱ seit 2000 die Deutsche Studiengemeinschaft
‱ die Deutsch-EuropĂ€ische Studiengesellschaftcite-ref-82[82]
‱ die 2000 gegrĂŒndet Deutsche Akademie, Organisation mit wechselnden Tagungsorten
‱ 23. November 2012 die Eröffnung der Bibliothek des Konservatismus in Berlin
‱ 1. Juli 2013 bis 2014 Zentrum fĂŒr Jugend, IdentitĂ€t und Kultur von Felix Menzel
‱ 2013 bis 2015 der Zwischentag, neurechte Medienmesse mit Veranstaltungen
‱ die Burschenschaft Danubia MĂŒnchen (Bogenhausener GesprĂ€che 1998–2012)
‱ die Berliner Burschenschaft Gothia unter anderem Veranstaltungsort des Staatspolitischen Salons des Institut fĂŒr Staatspolitik

Verlage

Als Beispiele fĂŒr nach seiner EinschĂ€tzung rechtsextreme Verlage im Kontext der neurechten Strategie einer „Kulturrevolution von rechts“ benennt Armin Pfahl-Traughber:cite-ref-83[83]

‱ den Grabert Verlag

Als neurechte Verlage mit rechtsextremen Tendenzen gelten außerdem:

‱ Leopold Stocker Verlagcite-ref-84[84]
‱ Verlag Antaios (Verleger Götz Kubitschek)cite-ref-85[85]
‱ Verlag Zeitenwende; galt als NPD-nah
‱ Straube-Verlag (Herausgeber Hellmut Diwald)
‱ Verlag fĂŒr ganzheitliche Forschung und Kultur (GrĂŒnder: Wilhelm Kammeier; Verleger Dietrich Bohlinger); ideologisch den Ludendorffern nahestehend

Als Verlag fĂŒr neurechte Theorien und Autoren betĂ€tigte sich zeitweise der Ullstein Verlag.cite-ref-87[87]

Messe „Zwischentag“

Seit 2012 treffen sich fĂŒhrende Köpfe der Neuen Rechten jĂ€hrlich zur Messe „Zwischentag“, initiiert von Götz Kubitschek und Felix Menzel.cite-ref-fuchs-88-0[88] Neben Ausstellern, die dem neurechten Verlagswesen entstammen, und Gruppierungen, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft werden, finden ein Kulturprogramm sowie VortrĂ€ge und Podiumsdiskussionen statt. Sie dient der VerstĂ€ndigung und Vernetzung eines Spektrums, das sich selbst offen als „rechts“ bezeichnet.cite-ref-89[89] Der Veranstaltungsort wird geheim gehalten. 2014 fand die Messe im Verbindungshaus der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonncite-ref-fuchs-88-1[88] statt, 2015 bei der Erlanger Burschenschaft Frankonia.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91]

Audio

‱ Kampf um kulturelle Hegemonie Wie die Neue Rechte sich der Popkultur bedient. 53.21 Minuten - Audio-Version, Deutschlandfunk Kultur 1. April 2024
‱ Lars Hendrik Beger: Die Neue Rechte und der Pop, Pop von Rechts Eine Bestandsaufnahme. 53.21 Minuten - Audio-Version, Deutschlandfunk 1. April 2024

Literatur

Analysen

‱ Iring Fetscher (Hrsg.): Neokonservative und Neue Rechte. Der Angriff gegen Sozialstaat und liberale Demokratie in den Vereinigten Staaten, Westeuropa und der Bundesrepublik. C.H. Beck, MĂŒnchen 1983, ISBN 978-3-406-09690-7.
‱ Franz Greß, Hans-Gerd Jaschke, Klaus SchönekĂ€s: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa. Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien, Westdeutscher Verlag, Opladen 1990, ISBN 978-3-531-11890-1.
‱ Johannes Klotz, Ulrich Schneider: Die selbstbewusste Nation und ihr Geschichtsbild. Geschichtslegenden der Neuen Rechten. PapyRossa, Köln 1997, ISBN 3-89438-137-X.
‱ Kurt Lenk, GĂŒnter Meuter, Henrique Ricardo Otten: Vordenker der Neuen Rechten. Campus, Frankfurt am Main 1997, ISBN 978-3-593-35862-8.
‱ Iris Weber: Nation, Staat und Elite. Die Ideologie der Neuen Rechten. PapyRossa, Köln 1997, ISBN 978-3-89438-129-5.
‱ Wolfgang Gessenharter (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes? Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 978-3-8100-2053-6.
‱ Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 978-3-8100-1888-5.
‱ Alice Brauner-Orthen: Die Neue Rechte in Deutschland. Antidemokratische und rassistische Tendenzen. Leske + Budrich, Opladen 2001, ISBN 978-3-8100-3078-8.
‱ Friedemann Schmidt: Die Neue Rechte und die Berliner Republik. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-531-13642-4.
‱ Martin K. W. Schweer (Hrsg.): Die Neue Rechte. Eine Herausforderung fĂŒr Forschung und Praxis. Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-631-39053-5.
‱ Wolfgang Gessenharter (Hrsg.): Die Neue Rechte – eine Gefahr fĂŒr die Demokratie? Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-8100-4162-3.
‱ Gabriele KĂ€mper: Die mĂ€nnliche Nation. Politische Rhetorik der neuen intellektuellen Rechten. Böhlau, Köln u. a. 2005, ISBN 978-3-412-13805-9.
‱ Regina Wamper, Helmut Kellershohn, Martinz Dietzsch (Hrsg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast, MĂŒnster 2010, ISBN 978-3-89771-757-2.
‱ Volker Weiß: Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten. Von Spengler bis Sarrazin. Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77111-7.
‱ Peter Bathke, Anke Hoffstadt (Hrsg.): Die neuen Rechten in Europa. Zwischen Neoliberalismus und Rassismus. PapyRossa, Köln 2013, ISBN 978-3-89438-507-1.
‱ Liane Bednarz, Christoph Giesa: GefĂ€hrliche BĂŒrger. Die neue Rechte greift nach der Mitte. Hanser, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-446-44461-4.
‱ Julian Bruns, Kathrin Glösel, Natascha Strobl: Rechte Kulturrevolution. Wer und was ist die Neue Rechte von heute? VSA, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-639-8.
‱ Samuel Salzborn: Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten. Beltz Juventa, Weinheim, Basel 2017, ISBN 978-3-7799-3674-9.
‱ Volker Weiß: Die autoritĂ€re Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-96326-7.
‱ Patrick Keßler: Die „Neue Rechte“ in der Grauzone zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus? Protagonisten, Programmatik und Positionierungsbewegungen. LIT, MĂŒnster 2018, ISBN 978-3-643-13844-6.
‱ Daniel Hornuff: Die Neue Rechte und ihr Design. Vom Ă€sthetischen Angriff auf die offene Gesellschaft. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4978-9.
‱ Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verĂ€ndern. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2019, ISBN 978-3-499-63451-2.
‱ Jay Julian Rosellini: The German New Right. AfD, PEGIDA, and the Re-imaging of National Identity. Hurst & Company, London 2019, ISBN 978-1-78738-140-7.
‱ Ralf FĂŒcks, Christoph Becker (Hrsg.): Das alte Denken der Neuen Rechten. Die langen Linien der antiliberalen Revolte. Sammelband des Institut Solidarische Moderne, Wochenschau, Frankfurt 2020, ISBN 978-3-7344-1122-9.
‱ Vojin SaĆĄa Vukadinović (Hrsg.): RandgĂ€nge der Neuen Rechten. Philosophie, Minderheiten, TransnationalitĂ€t. transcript, Bielefeld 2022, ISBN 978-3-8376-5996-2.
‱ David Meiering (Hrsg.): SchlĂŒsseltexte der ‚Neuen Rechten‘. Kritische Analysen antidemokratischen Denkens. Springer VS, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-658-36452-6.
‱ Felix Schilk: Die ErzĂ€hlgemeinschaft der Neuen Rechten. Zur politischen Soziologie konservativer Krisennarrative. transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-7471-2.

Weitere LĂ€nder

‱ Andreas Umland: Der „Neoeurasismus“ des Aleksandr Dugin: Zur politischen Strategie der russischen „Neuen Rechten“ sowie zur Rolle des integralen Traditionalismus und (quasi-)religiöser Elemente in ihrer Ideologie. In: Margarete JĂ€ger, JĂŒrgen Link (Hrsg.): Macht – Religion – Politik. Zur Renaissance religiöser Praktiken und MentalitĂ€ten. Unrast, MĂŒnster 2006, ISBN 978-3-89771-740-4, S. 141–160.
‱ Bernhard Schmid: Die Neue Rechte in Frankreich. Unrast, MĂŒnster 2009, ISBN 978-3-89771-102-0.
‱ Bernhard Schmid: Zwischen Metapolitik und Marsch durch die Institutionen: Die Nouvelle Droite in Frankreich. In: Massimiliano Livi, Daniel Schmidt, Michael Sturm (Hrsg.): Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt. Politisierung und Mobilisierung zwischen christlicher Demokratie und extremer Rechter. Campus, Frankfurt am Main / New York 2010, ISBN 978-3-593-39296-7, S. 131–145.
‱ Andrea Mammone, Emmanuel Godin, Brian Jenkins (Hrsg.): Mapping the Extreme Right in Contemporary Europe: From Local to Transnational. Routledge, London 2012, ISBN 978-0-415-50264-1.

Film

‱ Die alte Neue Rechte, Dokumentation von Falko Korth fĂŒr rbb und arte, 2021

Weblinks

‱ JĂŒrgen P. Lang: Eine neue Neue Rechte? Analyse der Traditionen und Innovationen einer rechtsextremistischen Denkströmung. (28. Juni 2017)
‱ Neuerechte.org, interaktive Website von Christian Fuchs und Paul Middelhoff
‱ Armin Pfahl-Traughber: Die Neue Rechte in Frankreich und Deutschland (Memento vom 11. Dezember 2009 im Internet Archive)
‱ Armin Pfahl-Traughber: Was die „Neue Rechte“ ist – und was nicht. Definition und Erscheinungsformen einer rechtsextremistischen Intellektuellengruppe. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 21. Januar 2019
‱ Michael Schneider: Aus dem Schatten der Vergangenheit: Von der Rehabilitierung des National-Konservatismus zur Formierung der „Neuen Rechten“
‱ Verfassungsschutz NRW: Ideologie und Mythen. Zur Neuen Rechten im Internet (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive) (PDF; 280 kB)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Andreas Speit, Andrea Röpke: Neonazis in Nadelstreifen: Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. Ch. Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-467-9, S. 74.; Franz Gress, Hans-Gerd Jaschke, Klaus SchönekĂ€s: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa: Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990, ISBN 978-3-531-11890-1, S. 13.
cite-note-speit-s-18-22. ↑ Andreas Speit: Schicksal und Tiefe. SehnsĂŒchte der Neuen Rechten. In: Andreas Speit, Felix Krebs, Jean Cremet: Jenseits des Nationalismus. Ideologische GrenzgĂ€nger der ‘Neuen Rechten’ – ein Zwischenbericht. Unrast, Hamburg 1999, ISBN 978-3-928300-94-0, S. 18.
cite-note-33. ↑ vgl. Ines Aftenberger: Die Neue Rechte und der Neorassismus. Grazer UniversitĂ€tsverlag, Graz 2007, ISBN 978-3-7011-0088-0, S. 53 und 237.
cite-note-44. ↑ Andreas Speit: Schicksal und Tiefe. SehnsĂŒchte der Neuen Rechten. In: Andreas Speit, Felix Krebs, Jean Cremet: Jenseits des Nationalismus. Ideologische GrenzgĂ€nger der ‘Neuen Rechten’ – ein Zwischenbericht. Unrast, Hamburg 1999, ISBN 978-3-928300-94-0, S. 17–22.
cite-note-55. ↑ Wolfgang Gessenharter: Was ist Rechtsextremismus? Zentrale Aspekte eines vielschichtigen Problems. In: Holger Spöhr, Sarah Kolls (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. Peter Lang, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-631-59265-6, S. 27–43.
cite-note-st-ss-66. ↑ Richard Stöss: Die "neue Rechte" in der Bundesrepublik. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 17. Dezember 2007, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 26. September 2015; abgerufen am 18. November 2025.
cite-note-77. ↑ Werner T. Bauer: Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien in Europa. Österreichische Gesellschaft fĂŒr Politikberatung und Politikentwicklung – ÖGPP (Hrsg.), Wien 2012, S. 9 f., pdf (Memento vom 24. Januar 2013 im Internet Archive)
cite-note-88. ↑ Eva Schweitzer: Tea Party: Die weiße Wut: Was Amerikas Neue Rechte so gefĂ€hrlich macht. Deutscher Taschenbuchverlag, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-423-24904-1.
cite-note-99. ↑ Gerd Wiegel, Guido Speckmann: Die Rechte von heute. Vom alten Faschismus zum neuen Sozialdarwinismus. In: BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik. Nr. 3, 2012 (online).
cite-note-1010. ↑ Volker Weiß: Deutschlands neue Rechte. Angriff der Eliten – von Spengler bis Sarrazin. Paderborn u. a. S. 131.
cite-note-1111. ↑ Florian Finkbeiner: Nationale Hoffnung und konservative EnttĂ€uschung. Zum Wandel des konservativen NationenverstĂ€ndnisses nach der deutschen Vereinigung. transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8394-5321-6 (transcript-verlag.de [PDF; abgerufen am 30. April 2021]).
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